Kleine Einrichtungen und kindbezogene Förderung

von Günter Krauß, ISKA am 07. Juli 2000 um 15:13 Uhr
als Antwort zu: Basiswert - Öffnungszeiten von Alexandra Lux am 06. Juli 2000 um 18:52 Uhr

Das von Ihnen angeschnittene Thema ist sehr vielschichtig und steht für uns auch ganz oben auf der Liste der an den Modellstandorten zu bearbeitenden Probleme.

Im Moment lässt sich noch nicht abschätzen, wie sich die neuen Förderbedingungen im konkreten Fall einer Einrichtung genau auswirken, da die Basiswerte noch nicht berechnet sind. Wir führen gerade im Landkreis Landsberg/Lech und in der Stadt Bayreuth die ersten Erhebungen durch, die uns zumindest eine erste Hochrechnung erlauben. Besser wird diese Hochrechnung erst Anfang 2001, wenn uns die Daten einer zur Zeit geplanten bayern-weiten Erhebung vorliegen. Dann wird auch jede Einrichtung selber kalkulieren können, in welcher Höhe sie eine Bezuschussung nach dem neuen Modell zu erwarten hätte (wenn es denn tatsächlich in dieser Form in Bayern eingeführt würde). Erst dann wird eine Einrichtung mit unterdurchschnittlicher Gruppenstärke den Effekt richtig beurteilen können.

Bereits jetzt ist klar, dass es einen Fördermechanismus geben muss, der eine Art Strukturausgleich für die Fälle bereithält, in denen eine Kindertagesstätte als einzige soziale Einrichtung in einer Gemeinde aufgrund nicht ausgleichbar sinkender Kinderzahlen in Schwierigkeiten gerät. Hier wird man über die genauen Förderbedingungen, insbesonders über die Definition der "strukturschwachen Region" noch viel nachdenken müssen.

Schwieriger stellt sich das Problem im Kontext größerer Gemeinden und Städte dar. Auch hier wäre es theoretisch denkbar, dass der Teil des Etats, der von vornherein für Sonderbedingungen reserviert wird (siehe die Beschreibung des Fördermodells unter www.iska-nuernberg.de/kita-bayern) und der möglicherweise nach lokal unterschiedlichen Kriterien verteilt werden kann (das sind alles noch lange nicht ausdiskutierte Punkte!), zur Stützung einzelner Einrichtungen herangezogen wird. Allerdings stelle ich mir schwierig vor, dass eine Einrichtung diese Sonderförderung gegenüber anderen ausschließlich mit der Gruppengröße begründet. Das Argument der anderen "warum die und nicht wir" bzw. "wenn die das machen, machen wir das auch" wäre schwer zu bearbeiten. Ein denkbarer Ausweg könnte darin liegen, wenn "kleine" Einrichtung wichtige und offensichtliche Nischen besetzen, mit denen sich eine Sonderförderung begründen ließe. Wie diese Nische genau aussähe, ergäbe sich aus den lokalen Kriterien zur Vergabe des "Sonder-Topfes", und wäre von Ort zu Ort möglicherweise verschieden.

Einrichtungen mit einer geringen Gruppengröße haben oft auch eine kleine organisatorische Struktur. Die Stärke von kleinen Organisationen liegt immer in ihrer Flexibilität und Schnelligkeit, die Schwäche in ihrer Anfälligkeit für ökonomische Einschnitte und die geringe Möglichkeit, großflächig zu planen. Prinzipiell wird es für kleine Einrichtungen wichtig sein, sich auf ihre Stärken zu besinnen.

Ich möchte das nicht nur theoretisch sagen, sondern in Kooperation mit den Einrichtungen im Landkreis Landsberg/Lech und in der Stadt Bayreuth praktisch daran arbeiten. Uns war es sehr wichtig, an beiden Standorten auch kleine Einrichtungen vorzufinden - um auszuprobieren, was diese Einrichtungen tun können, aber auch um die Grenzen und Probleme des Fördermodells auszuloten.

Was die von Ihnen angesprochene Kostenneutalität angeht, so ist sie eine Voraussetzung des Projektes. Sie kann nicht überschritten werden. Natürlich wäre es schöner, man hätte - parallel zum Modellversuch - ein Füllhorn, aber es darf nicht vergessen werden, dass es im Kontext einer Entwicklung, in der bundesweit Zuschüsse im Kindertagesstättenbereich eingespart werden, sehr viel wert ist, dass dies in Bayern nicht passiert. Auch dass die sinkende Kinderzahl nicht zur Einsparung verwendet werden soll, sondern zum Einbezug von 0-3-jährigen und von Schulkindern in die Kindertagesstättenförderung genutzt wird, ist nicht selbstverständlich.

Wir werden auf dieses Thema noch oft zurückkommen. Ab Herbst 2000 dann sicher auch mit den ersten konkreten Beispielen.



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