Was ist so schwierig an Flexibilität?

von Fö am 24. Oktober 2001 um 18:35 Uhr
als Antwort zu: Zu Dunkl StMAS vom 22.Okt. von Leiterin eines Kindergartens am 23. Oktober 2001 um 09:02 Uhr

Auch ich leite einen Kindergarten - allerdings nicht im Landkreis Landsberg.

Ich verstehe die Aufregung der werten Kollegin nicht. Wenn alle Eltern bei ihr längere (Kern)zeiten wollen und diese buchen und NUTZEN - dann gibt es doch kein Problem? Wäre es der echte Bedarf, dann würden ja konsequenterweise alle diese Zeiten buchen, oder?

Sollte da etwa am wirklichen Bedarf und Wunsch der Familien vorbei feste Zeiten festgelegt worden sein? Längere Kernzeiten als gebraucht oder gewollt?

Dann ist es höchste Zeit etwas zu ändern. Oder meinen Sie nicht?

Wir sind ein ländlicher Kindergarten und bei uns ist kein Problem, was von der Kollegin so problematisch beschrieben wird. Im Gegenteil - wir sind stolz auf unser kind- und familienorientiertes Konzept. Eltern sind uns immer willkommen.

Wir halten es für kindorientiert, dass Eltern ihre Kinder dann holen können, wann sie es möchten. Unser Angebot ist darauf ausgerichtet. Wenn Kinder an bestimmten Aktionen oder Angeboten, wie Waldnachmittag o.ä. teilnehmen, nur dann gibt es Zeiten in denen Eltern die Kinder nicht abholen (können).

Kernzeit ist bei uns - wie bei allen Kindergärten in unserem Umkreis in etwa von 9 Uhr bis 12 Uhr täglich. Hier sind in der Regel alle Kinder anwesend. Anschließend teilen wir uns in verschiedene Dienste ein, wir achten darauf, dass möglichst alle Dienste mit einer Kraft aus jeder Gruppe besetzt sind, so dass die Kinder möglichst immer eine ihr näher vertraute Person haben.

Kinder, die gewöhnlich den ganzen Tag da sind, essen gemeinsam Mittag und einige kommen dazu, die sich spontan dazu entschlossen haben. Kinder die essen, werden i. d. R. nicht während des Essens abgeholt - das ist zwar nicht ausdrücklich geregelt, ist aber in der Praxis so.

Die kleineren Kinder schlafen anschließend (die Eltern wissen i. d. R. wie lang die Kinder schlafen oder warten notfalls bis sie wach sind), die anderen gehen zum Freispiel in eine Gruppe.

Später am Nachmittag laufen i. d. R. verschiedene Angebote, die die Kinder nutzen können, wenn sie wollen. Ansonsten bleiben sie in einer festen Gruppe. Manche Kinder, die nicht mit im Kindergarten Mittag essen, kommen ab ca. halb 2 wieder und bleiben unterschiedlich lange auch noch da.

Manche Kinder kommen jeden Tag gleich, andere sehr unterschiedlich. Manche kommen nur, weil unser Angebot so gut ist, weil sie auch mal im Kindergarten essen wollen oder weil der Freund auch da ist. Wir freuen uns darüber.

Wir haben ab 7 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet - bis 9.00 Uhr sind alle Kinder gebracht. Ab 12.00 Uhr können sie wieder geholt werden. Was manchen Kolleginnen scheinbar als Horror erscheint, ist bei uns beliebte Praxis. Im Prinzip haben wir 4 Stunden Kommen und Gehen im Haus von 12.00 - 16.00 Uhr. Was uns aber überhaupt nicht stört. Es verteilt sich auch prima. Wir haben so oft Zeit mit Eltern in diesen Bring- und Abholphasen zu sprechen. So erfahren wir vieles über die Kinder und haben ein persönliches Verhältnis zu den meisten Eltern.

Die Türen nach draußen sind so gesichert, dass nur die Erwachsenen rein und raus können. Da haben wir noch nie ein Problem gehabt.

Wir haben in unserer Elternbefragung sehr viel Lob für unser familienfreundliches Konzept bekommen. Wie anders kann man Familien auch besser unterstützen, entlasten und ergänzen als ihnen in ihrem (Kinder und Eltern) Betreuungs-Wünschen und Bedürfnissen entgegen zu kommen?

Organisatorische Probleme kann man lösen. Außenbereiche kann man z. B. durch Zäune, elektrische Tore und drehbare Hebel o. ä. sichern.

Eltern und Kinder, die sich in der Abholzeit neben Schlafräumen bewegen, kann man dazu anhalten, "Rücksicht" zu üben. Das funktioniert! Die Kinder übrigens gewöhnen sich rasch an solche Geräuschpegel und schlafen - wie in den Familien auch - auch dann wenn es mal doch wieder etwas laut zu geht - ohne Probleme. Sie sind daran gewöhnt.

Abgesehen von unserer Kernzeit von 9.00 - 12.00 Uhr - kommen und gehen Eltern bei uns wann sie wollen.

Mag die Kollegin das schrecklich finden - ich finde es wunderbar.
Und unsere Eltern auch!

Vor Buchungen fürchte ich mich daher nicht. Wir meinen schon bisher bedarfsgerecht gearbeitet zu haben und glauben, dass sich alle Eltern in etwa das gleiche buchen, was sie bisher nutzen. Wir haben die Preise so kalkuliert und familienfreundlich gestaltet, dass wir die gleichen Einnahmen erzielen wollen, wie bisher - nicht mehr. Einige Familien zahlen daher weniger als bisher, einige das gleiche und manche mehr.

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Wenn es Kolleginnen und Einrichtungen gibt, die Eltern feste Kernzeiten vorschreiben und/oder bestimmte Anwesenheitszeiten festsetzen oder erzwingen, setzen sie die Einrichtungen, die am echten kinder- und familienorientierten Bedarf ohne Regulierungen (mit Ausnahme einer dreistündigen Kernzeit) entlang arbeiten wollen, unter Druck. Denn wie alle wissen: die Buchungszeit ist die Zeit, vón der in Zukunft die Zuschüsse abhängen. Daher finde ich es völlig okay, wenn man nicht mehr als eine dreistündige Anwesenheitspflicht festlegen darf.

Zum Schluss noch ein Gedanke für die frustrierte Kollegin:
wir sollten selbstbewußt unsere guten Angebote nach außen tragen. Wenn sie nicht angenommen werden, oder nur wir sie gut finden, dann müssen wir uns kritisch hinterfragen und etwas verändern. Ganz so, wie wir es immer von den Kinder verlangen!

Kollegiale Grüße!


an herrn dunkl: Anonymität hilft mir diese Zeilen zu schreiben. Sonst würde ich fürchten, dass solche Kolleginnen, die sich überwiegend negativ in den Foren äußern, über mich her fallen



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