Verliert man wirklich den Überblick?

von Schmidt am 20. November 2001 um 11:41 Uhr
als Antwort zu: Anzahl der Gruppen von Doris Hauptenbuchner, Kiga-Beauftragte Zum Regenbogen und SKG Maria Himmelfahrt, Kaufering am 19. November 2001 um 21:16 Uhr

Sehr interessant ihr Beitrag.

Was ich nicht verstehe ist, warum man sich an feste Zeiten halten soll und warum man den Überblick verlieren sollte, wenn man die Sache variabler handhabt. Jede Gruppe hat doch nicht mehr als 25 Kinder und bei 100 Kindern haben sie doppelt so viel Personal wie die zweigruppige Einrichtung mit 50 Kindern. Wieso soll das schwieriger sein?

Sie schreiben, dass sie vorher schon viele Zeitmöglichkeiten angeboten haben. Das haben sie doch anscheinend auch überblickt. Mir leuchtet der Unterschied nicht ein. Wichtig ist doch nur, dass die gebuchte Zeit im Mittel mit der tatsächlich in der Einrichtung verbrachten Zeit übereinstimmt. Niemand zwingt sie zur Einhaltung der täglichen Zeiten. Diese sind Durchschnittszeiten, wenn die tägliche Nutzungszeit täglich verschieden ist. Schichtmodelle können anders umgerechnet werden. Das hat Herr Kraus erst bei einer Sitzung mit Elternbeiräten in Bayreuth gesagt, wie mir eine Bekannte erzählte.

Zum Einhalten von gebuchten Zeiten und Festlegen von langen Kernzeiten:

Nehmen Sie mich als Beispiel. Ich bin Lehrerin. Meine Unterrichtszeiten sind zwar relativ gleich, aber täglich verschieden. Wenn Lehrerkonferenzen, Probleme mit Schülern, Projekte, Wandertage, Vertretungen, kurzfristige Absprachen mit Kollegen oder Schulleitung, Schullandheimbesuche, "Hitzefreie Stunden" usw. sind, sieht die ganze Sache schon wieder anders aus. Da kann ich einerseits nicht einfach losrennen und sagen: "tut mir leid, ich muss mein Kind pünktlich vom Kindergarten abholen, ich überziehe sonst, (oder bekomme es erst Stunden später wieder)". Andererseits will ich mein Kind haben, wenn ich selbst Zeit habe (z. b. Hitzefrei, unterrichtsfreie Zeiten, Nachmittagsunterrichtsausfall, weil die Klasse nicht da ist, etc.) und nicht warten müssen, bis irgendwelche an und für sich gebuchten Zeiten oder Kernzeiten erfüllt sind. Vor 12.00 Uhr käme ich allerdings nie.

Wenn ich die ganze Woche im Schullandheim oder bei Abschlussfahrten bin, müsste das Kind im Kindergarten ganztags betreut werden. Wenn das nicht geht, dann ich bräuchte ich zusätzlich eine Tagesmutter, wenn ich sonst immer bis 14.00 Uhr komme. Haben Sie das schon einmal überlegt? Wie planen sie, solche Sachen zu regeln?

Ich bräuchte also einen flexiblen Platz. Wenn es keine flexible Einrichtung vor Ort gäbe, müsste ich bei Ihnen den längsten und teuersten nehmen, weil ich einmal in der Woche nachmittags Unterricht halte. Und das Kind sollte die Zeit dann auch dableiben. Ob ich das so eigentlich so will oder nicht? Oder habe ich Sie mit "Einhalten der gebuchten Zeit" falsch verstanden?

Wenn ich dann auch noch die gebuchten Zeiten täglich einhalten müsste, dann würden Sie mich mich und mein Kind verpflichten, an den anderen Tagen länger zu bleiben als wir brauchen? Würden Sie wollen, dass ich am Kindergarten vorbeifahre oder mich irgendwo in der Nähe des Kindergartens "rumdrücke", bis ich mein Kind holen darf?

Habe ich alles in Bayreuth schon erlebt. Meine Freundin hatte ihr Kind in einer Einrichtung, die von 12.30 Uhr - 13.30 Uhr Mittagsruhe hatte, sollte keiner rein oder raus. Konnte es daher erst nach 13.30 Uhr abholen. Sie hatte um 13.00 Uhr Schluss und wartete dann auf ihr Kind. Familienfreundlich?

Das ist familienfreundlich: Im Kindergarten neben meiner Schule holen die Eltern ihre Kinder ab 12.00 Uhr immer dann ab, wie sie es individuell vereinbart haben. Das kann jeden Tag verschieden sein und auch erst am selben Tag mitgeteilt werden. Sogar Mittagessen kann man früh noch bestellen. Anruf beim Krankenhaus oder Altenheim, das die Essen mitkocht und in Behältern bringt, genügt um 9.00 Uhr. (Leider ist der nicht im Modell).

Das muss doch so zu regeln sein, wie es Frau Daams für ihre Einrichtung beschrieben hat. Kann man ja richtig neidisch werden!

Was machen Sie denn in den Zeiten, in denen Familien mal einen anderen Bedarf haben, als sie im voraus geplant haben? In den Schulferien brauche ich z. B. kürzer, weil ich da mittags mal selbst koche. Sollte ich dann bei Ihnen das Kind gar nicht bringen, weil ich dann die gebuchte nicht einhalte und mein Kind um 12.00 Uhr holen würde, was ich während der Schulzeit nie könnte?

Andere müssen mal Vertretungen übernehmen; Konferenzen dauern mal länger; Staus gibt es ab und an; Großeltern, die sonst abholen, sind mal krank oder im Urlaub; eines der anderen Kinder ist im Krankenhaus, länger beim Arzt als geplant, hat eine Schulaufführung o. ä.; man muss die erkrankte Kollegin vertreten; kleine Kinder wollen gestillt werden - ausgerechnet dann, wenn das Geschwisterkind abgeholt werden müsste; man renoviert die Wohnung und hat kaum Zeit für ein Kind; die Kinder wollen einfach mal im Kindergarten bleiben; etc.

Es muss doch bestimmte Kulanzen geben, sonst provoziert man unnötig Streit und Unmut zwischen Kindergarten und Eltern. Warum macht man es sich gegenseitig so schwer?

Ich glaube nicht, dass man den Überblick verliert, weil solche Sondersituationen nicht bei jeder Familie in jeder Woche auftreten und es nicht riesige Schwankungen gibt.

Wenn außerdem jede Familie die vorhersehbaren Dinge vernünftig mit einkalkuliert, dann dürfte es doch überhaupt kein Problem geben. 4 - 5 Stunden sind doch schon 20 - 25 Stunden in der Woche, da sind doch schon 5 Stunden drin, die man an und für sich variabel gestalten kann. Nur nicht, wenn man feste Zeiten (lange Kernzeiten) oder die gebuchten Stunden täglich einhalten muss, dann gibt es tatsächlich keine Kulanz. Wollen sie das wirklich?

MFG

fam. Schmidt



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