Quantitative Erhebung

Die Arbeitsgruppe diskutiert den Fragebogenentwurf (Foto: Tanja Elm)

Im Juni und Juli besuchten wir 16 städtische Gemeinschaftsunterkünfte in Nürnberg und befragten 150 erwachsene Bewohnerinnen und Bewohner aus arabischsprachigen Ländern. Der vierseitige Fragebogen umfasste Fragen zu besuchten Orten und Aktitivitäten, ihren sozialen Netzwerken, ihrer Meinung zu Deutschen und der Nutzung sozialer Medien.

Die Entwicklung unseres Fragebogens dauerte fast ein Jahr. Wir testeten ihn mehrmals in verschiedenen Stadien und diskutierten ihn in unserem multikulturellen Team.

Vorwiegend geschlossene Fragen

Der Fragebogen umfasst über 100 Fragen, der Großteil davon wurde geschlossen und mit Antwortvorgaben formuliert. Mit offenen Fragen wollten wir z. B. erfahren, wie die bisherigen Kontakte der Befragten mit Deutschen abliefen und bewertet werden.

Viele Fragestellungen entwickelten wir selbst. Nur zum kleineren Teil konnten wir uns an Fragestellungen bestehender Studien anlehnen. Für die Formulierung der Fragen zu den besuchten Orten und ausgeführten Aktivitäten half uns die Zeitverwendungsstudie 2016 vom Statistischem Bundesamt und der Freizeit-Monitor der Stiftung für Zukunftsfragen vom Jahr 2016. Für Fragen rund um die Bewertung der Kontakte mit Deutschen konnten wir uns teilweise an Fragestellungen des Allbus 2016 vom Statistischen Bundesamt anlehnen.

Die sozialen Kontakte und Netzwerke im Fokus

Um die Netzwerke der Befragten genauer zu erfassen, verwendeten wir sogenannte Namensgeneratoren. "Ein Namens-Generator ist ein Instrument zur Erhebung von wichtigen Bezugspersonen in standardisierten Interviews. Dafür werden meist eine oder mehrere Fragen Items gestellt, wer den Befragten wichtig ist, wer sie eventuell unterstützt und mit wem sie gemeinsame Aktivitäten haben" (Fuhse 2018, S. 118).

Wir haben insgesamt drei Namensgeneratoren verwendet, die bereits in ähnlicher Weise in anderen Studien eingesetzt wurden (Wolf 2010, S. 473). Sie beziehen sich 1. auf Freizeitkontakte, 2. instrumentelle Hilfe und 3. Ratsuche. Die genauen Formulierungen finden Sie hier.

Wichtig war für uns zum einen die Anzahl an genannten Namen. Zum anderen erfragten wir ausgewählte Eigenschaften der aufgeschriebenen Personen. Diese Fragen werden als Namensinterpretatoren bezeichnet (Fuhse 2018, S. 119-120). Wir wollten wissen, ob Personen aufgeschrieben wurden, die in Deutschland aufgewachsen oder geboren sind. Wenn deutsche Personen genannt wurden, fragten wir weiter, ob es sich um männliche oder weibliche Kontakte handelt. Anders als in der qualitativen Erhebung stellten wir diese Frage in den Fragebögen nur in Bezug auf deutsche Kontaktpersonen. Zum Schluss wollten wir wissen, an welchem Ort oder bei welcher Aktivität der Geflüchtete die Deutschen kennengelernt hat.

Fragebogen auf Deutsch und Arabisch

Der Fragebogen wurde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ISKA ins Arabische überstetzt. Bei einem weiteren Treffen reflektierten wir diese Übersetzung gemeinsam mit anderen Arabisch-Übersetzerinnen und nahmen weitere Änderungen vor. Der interkulturelle Austausch war für uns besonders wichtig, um z.B. zu erfahren, ob bestimmte Bezeichnungen (wie Freundschaft) in der arabischen und deutschen Kultur die gleiche Bedeutung haben und gleich verwendet werden, um zu wissen, ob wir deren wörtliche Übersetzung verwenden können.